Den zweiten ganzen Tag verbrachte ich mit der Familie. Mit den Eltern, den sechs Kindern, der Schwester und einem Freund der Familie gingen zwei vollbesetzte Autos auf Ausflugsfahrt ins Nationalmuseum und an den Strand.
Nach einem gemütlichen Frühstück mit der Familie wollte ich ‚nur noch kurz‘ meinen morgigen Rückflug buchen, damit wir für unseren Ausflug aufbrechen können. Leider wurde meine MasterCard-Kreditkarte nicht akzeptiert (ebenso wenig die nigerianische meines Gastgebers), weshalb wir kurzerhand einen Abstecher zum Flughafen einlegten um den Kauf abzuschließen. Damit war dann auch der Preis auf 23.000 NRN gedeckelt. Zwei one-way-Flüge sind erstaunlicherweise genau so teuer wie ein Hin- und Rückflug; das ist ein Europa und USA ja ganz und gar nicht der Fall. War mir sehr recht, denn so kann ich gleich zwei verschiedene Airlines zu meiner Flugstatistik hinzufügen. 🙂
Gegen Mittag ging es dann endlich auf Familienausflug. Der erste Stopp war das nigerianische National Museum, welches eine schöne kompakte Ausstellung der Geschichte bereithält. Die drei größten nigerianischen Völker (Haussa, Yoruba und Igbo) werden parallel mit ihren Kulturen vorgestellt und von nationalen sowie kolonialen Relikten ergänzt. Wir waren die einzigen Besucher, so hatte ein Guide sogar genug Zeit, uns durch die gesamte Ausstellung zu führen. Dies allerdings im Eiltempo, denn wider Erwarten schloss die Ausstellung eineinhalb Stunden früher als angegeben.



Weiter ging es Richtung Hafen und Strand, doch vorher legten wir noch einen Zwischenstopp an einer Moschee ein, da es Gebetszeit war. Bei der Gelegenheit strolchte ich eine Runde um den Block und fand den Emirspalast von Lagos. Der Emir-Familie gehört wohl sämtliches Land im Umkreis, wie mir der Familienvater erzählt. Unglaublich, was da in einer so teuren Gegend wie Lagos an Gegenwert dahinterstecken muss.
Den frühen Abend verbrachten wir schließlich an einem Strand. Für 1.000 NRN pro Person erhält man Eintritt und erhält dafür einen müllfreien, gesicherten Strand, der ‚nur‘ voll statt überfüllt ist. So bekomme ich auch noch den Atlantischen Ozean zu Gesicht. Ein toller Anblick mit der absteigenden Sonne und den parkenden Tankern im Hintergrund, dazu das von der Sonne erwärmte Wasser an den Füßen (und ab und zu auf bis zum Oberschenkel, denn die Wellenhöhe war ziemlich unregelmäßig und überraschte so manchen).








Auf der Hinfahrt sah ich bereits eine Plakatwand mit überraschendem Inhalt. Dass die Bundesliga hier groß im TV gezeigt wird, hatte ich ja schon mal erwähnt und kann man schon noch nachvollziehen (bei den tausenden Kanälen, die das Abo so mit sich bringt). Aber dass unsere Fußballclubs hier eine ganze Plakatwand einnehmen, finde ich dann doch erstaunlich.

Auf der Rückfahrt fuhren wir über eine der moderneren der vielen Brücken Lagos, die eindrucksvoll beleuchtet wird und von Julius Berger gebaut wurde. Aufmerksamkeit erhielt die Brücke, als (wie im letzten Blogpost erwähnt) Mark Zuckerberg von Facebook zu Besuch in der Stadt war. Als Teil seiner jeden-Tag-joggen-Jahreschallenge rann Zuckerberg mit seinen Bodyguards über diese Brücke. Das Bild hat bestimmt der eine oder andere damals gesehen: Hier das gleiche nochmal, bloß aus einer anderen Perspektive, bei Nacht und ohne Mark Zuckerberg.
Die Kinder, fix und fertig, gehen zuhause angekommen gleich ins Bett. Auch der Vater muss morgen früh wieder zur Arbeit, weshalb ich mich auch bald zurückziehe. Nach Aufbrauchen des Datenvolumens meines UMTS-Internetsticks habe ich bald auch nicht mehr viel Grund wach zu bleiben. Wird sich auch als klug erweisen, denn um sieben Uhr wird am nächsten Morgen schon der Abschied von den Kindern und dem Vater anstehen.