Tag 18: Von der Hauptstadt in die Grossstadt

Heute beginnt bereits der letzte große Teil der Reise: 72h in der Megacity Lagos. Mit insgesamt dreizehn der 20 Mio. Einwohner von Lagos werde ich das Wochenende verbringen und die Stadt erkunden. Der Hinflug bietet mir zum ersten Mal die Gelegenheit, Nigeria bei Tag von oben zu sehen und verläuft problemlos. Andere hatten da weniger Glück.

Wegen der recht kurzfristigen Entscheidung, nach Lagos zu fliegen, hatte ich am Morgen noch kein Flugticket gekauft. Da es sich zudem empfiehlt, das Ticket nicht online zu buchen (meine deutsche MasterCard sollte auch nicht akzeptiert werden, wie sich später herausstellte), kaufte ich das Ticket direkt vor Abflug ab Flughafen. Unvorstellbar für mich in Deutschland wegen des immensen Preisaufschlags der preisoptimierenden Airlines. Aber hier ist die Preisgestaltung glücklicherweise deutlich kundenfreundlicher. Man zahlt mehr oder weniger das gleiche, egal wie kurzfristig man bucht.

Billig ist es trotzdem nicht. Happige 40.000 Naira sollte ich für den Hinflug auf den Tisch legen, ca. 100€ je nach Kurs. Fensterplatz inklusive ging es kurze Zeit später mit Med-View Airlines von Abuja nach Lagos.

Das sind keine Wolken, das ist Staub aus der Sahara
Vom Terminal bei 20 Grad mit AC raus in die Hitze bei 30 Grad und hoch mit dem Flieger auf -50 Grad (aussen 😉 )
Snack in luftiger Hoehe

 

Gespannt war ich auf den Anflug, der jede Erwartung übertraf. Schon Kilometer vor der Flughafen, nach Durchbrechen der Wolkendecke, sag man nichts als Häuser und Infrastruktur. Die 20 Millionen Einwohner der Metropolregion Lagos kommen ja nicht von ungefähr.

Hier eine YouTube-Video mit dem Landeanflug nach Lagos in voller Länge. Aber bitte nicht die ganzen 15 min einfach so angucken, sondern z. B. im Player unten rechts die Abspielgeschwindigkeit auf Faktor 2 einstellen. Oder einfach vorspulen z. B. auf den Durchbruch der Wolkendecke bei Minute 6:00, diverse Standtansichten rund um Minute 8:00 oder auf den Touchdown bei Minute 11:20.

Nach Landung spürt man zunächst sofort, dass Lagos im Gegensatz zu Abuja sehr nah am Wasser liegt. Die Temperatur ist ungefähr gleich hoch bei ca. 30 Grad, aber die Luftfeuchtigkeit ist hier deutlich höher. Das macht sich deutlich in der gefühlten Temperatur bemerktbar, die Hitze ist viel schwüler und klebriger. Umso mehr AC gibt es überall in den Gebäuden und den Autos.

Am Flughafen in Ikeja wurde ich von dem Schwiegersohn meiner Gastgeber in Abuja abgeholt und zusammen mit seiner Schwester, die kurze Zeit später landete, zu seiner Wohnung gefahren. Über die längste Brücke Afrikas fuhren wir auf dem Highway parallel zu Lagos Mainland in Richtung Lagos Island und bogen kurz vorher nach Ebute Metta ab, einer Wohngegend direkt am Autobahnzubringer zu der Insel Lagos, auf welcher sich Hochhausschluchten von Unternehmen, Hotels, internationalen Organisationen, Botschaften sowie hier und da mal ein Luxus-Apartment-Tower finden.

Wir fahren in das LSDPC Estate, Glover Road, Ebute Metta, wo ich bis Montag bleiben werde. Eine relativ gehobene Wohngegend in Form einer Gated Community (wie fast alle Wohngegenden, die man nicht als Slum bezeichnen würde) von ca. 500 Häusern und mindestens so vielen Autos. Die Lage direkt am Highwayzubringer macht das Estate optimale für Pendler, die auf der Lagos Island arbeiten und nicht zu weit weg auf Lagos Mainland wohnen möchten. Die Wohnungen sind nicht allzu groß aber teuer genug, sagt mein Gastgeber. Hier kann sich fast niemand ein Haus leisten. Weiter draußen schon eher, doch dann pendelt man im Berufsverkehr für 3 Stunden und mehr. Mein Gastgeber hier in Lagos braucht dagegen nur eine knappe Stunde zu seiner Arbeit auf der Insel. Inklusive Berufsverkehr – ohne Verkehr sind es 15 Minuten, wie ich später selber erfahre.

Zuhause angekommen treffe ich die Frau und die Kinder, die sich schon riesig freuen. Nicht nur auf mich, sondern auch auf die Schwester, die aus Gombe kommt. Ihr Flug war für Mittwoch geplant, aber wurde wegen ‚schlechten Wetters‘ zwei Mal verschoben. Bei einem Flug pro Tag hieß das, dass sie erst am Freitag flog. Krass!

Das Willkommen war sehr schön und man hat sich sofort zuhause gefühlt. Die Kids waren noch ein wenig ängstlich, was sich aber bald gelegt hat. Bald haben sie sich über mein Equipment hergemacht. Kamera, Smartphone, Fitness-Band, Brille – nichts war vor Ihnen sicher.

Zwei vollgepackte Tage stehen vor mir, daher ging der Tag bald zu Ende. Nach ein bisschen weltweiter Presseschau (BBC World News, CNN, chinesische Nachrichten, nigerianische Nachrichten) ging ich bald schlafen. Selbst mit Deckenventilator auf voller Stufe war mein Hüttenschlafsack völlig überflüssig – hier erfriert niemand.