Tag 15: ‘Happy birthday uncle Theo!’

Der Tag beginnt nach einer kurzen Nacht mit einer überraschenden Geburtstagsgratulation von Ida um halb 8, bevor sie in die Schule geht. Eine selbstgemalte Torte bekomme ich und freue mich riesig. Zum Frühstück gibt es Hefekringel nach baltischer Tradition, ganz ähnlich dem schwäbischen Hefezopf. Danach brechen wir auf für einen 2-3 tägigen Ausflug.


Heute fahren wir nach Kaduna im großen Nissan-Geländewagen. Das Auto war einmal im Einsatz für eine UN-Organisation und sieht noch danach aus (Farbe, Antenne, Protektoren) – das macht die anderen sonst so aggressiv fahrenden Teilnehmer des Straßenverkehrs manchmal erstaunlich zurückhaltend. Die Fahrt dauert ca. 2,5 Stunden und lief ziemlich gut, da die Straße erst vor kurzem neu gemacht wurde. Meistens war die Straße vierspurig. Nur manchmal noch zweispurig wegen Bauarbeiten, wo es dann abenteuerliche Überholmanöver gab.

Die Erneuerung der Straße von Abuja nach Kaduna hat gerade höchste Priorität, da sie ab März intensiv gebraucht werden wird. Dann schließt nämlich der Flughafen der Landeshauptstadt Abuja und wird temporär nach Kaduna verlegt. Die IATA hat nun nämlich die Reißleine gezogen und zwingt die Verantwortlichen in Abuja, die Landebahn zu erneuern, andernfalls würde die Zulassung für den internationalen Flugverkehr entzogen werden. Das wäre natürlich der Super-GAU für ein so großes, aufstrebendes Land, das viel auf internationalen Investitionen baut. Daher erhält das Projekt nun die nötige Priorität und der Flughafen in Kaduna wird mit Direktflügen u.a. nach London, Frankfurt und Dubai internationale Aufmerksamkeit erhalten.
In Kaduna angekommen sehen wir uns einen Traktor und Zubehör an, der für die Farm bestellt wurde. Dazu muss der Transport per LKW noch organisiert werden.

Ein alter VW dient als Aufbewahrungsort
Das Objekt der Begierde

Ohne Mittagessen meldete der Magen abends erhöhten Bedarf, aber die Menge übertroff den Bedarf dennoch um Längen. In einem nigerianischen Restaurant aßen wir scharfen Reis mit Salat und Rind sowie Hühnchen in einer süßlichen Soße. Dazu mit Honig gesüßter Schwarztee. Wie scharf das Ganze war merkte ich erst durch meine permanent laufende Nase. Die Geschmackspupillen haben sich wohl schon dran gewöhnt.

Wir kommen unter in einer schönen Hotelanlage mit guter Ausstattung, die aber recht verkommen ist. Die Anlage wurde von Kolonialzeiten von den Briten gebaut und recht großzügig angelegt. Die Zimmer befinden sich an einem Rundgang mit offenem Innenhof. Das Hauptgebäude sieht aus wie ein prächtiges Landhaus, dazu passt der Garten im vorderen Teil des eingemauerten Grundstücks. Das Einzige, was nicht zum Stil der Anlage passt, ist die neonfarbene blinkende Leuchtschrift an der Straßenseite des Hotels – unübersehbar.

Meinen Geburtstag in Nigeria zu verbringen ist das größte Geschenk überhaupt. Dabei scheint der Tag auch den anderen Glück gebracht zu haben: Mein Gastgeber bekommt seinen Traktor ausgehändigt, der sich auf der Farm sehr nützlich erweisen wird. Und meine Gastgeberin hat nach längerer Jobsuche heute ihren ersten Arbeitstag bei der GIZ. Doch last but not least: Die öffentliche Stromversorgung in Abuja lief zum ersten Mal seit langem die ganze Nacht und bis zu unserer Abfahrt nach Kaduna ununterbrochen durch. Das hat in letzter Zeit echten Seltenheitswert bekommen.