Hier in Nigeria ist gerade Trockenzeit, es hat seit Monaten nicht mehr geregnet. Ganz und gar nicht trocken aber blieben wir heute bei einem Ausflug zu den Gurara Wasserfällen und im Becken unterhalb des Wasserfalls ein paar Runden schwammen.
Bei dem aktuellen Wasserstand wurde eine diffuse Felsenlandschaft mit ein paar kleinen Sandstränden und einigen Bäumen dazwischen sichtbar. Zur Regenzeit steht das Wasser aber einige Meter höher und verwandelt den gemächlichen Fluss in einen reißenden Strom. Sicherlich auch ein tolles Erlebnis, aber bei solchen niedrigen Wasserstände so nah an den Wasserfall heranzukommen ist praktisch. So kann man nämlich seitlich den Wasserfall hinaufklettern und erhält von oben eine atemberaubende Sicht über das Flussbett. Erst dann realisiert man wirklich wie grün hier doch alles ist, denn die meisten anderen Orte ohne natürliche oder künstliche Bewässerung von ziemlich grau und braun derzeit (mit Ausnahme von einigen cleveren Unkräutern und mysteriösen Bäumen, die auch in der Trockenzeit und ohne Wasser stolz ihr Grün zeigen und munter weiter Photosynthese betreiben).


Dazu konnten wir den schönen Flecken nahezu alleine genießen. Außer zwei Julius Berger Angestellten und einigen lokalen Jungs war fast niemand weiter dort – Nigeria scheint sich bei Touristen einfach noch nicht so herumgesprochen zu haben.
Die geringe Frequentierung kann aber auch an der Zugangsstraße liegen, denn die war wirklich in einem abenteuerlichen Zustand. Zu Teilen ganz neu gemacht (aber noch gesperrt), zu Teilen uralt mit Schlaglöcher so tief wie Bordsteinkannten. Bisschen unpraktisch für einen Highway, aber mit genug Aufmerksamkeit kann man rechtzeitig bremsen und/oder ausweichen. Auch auf die Gegenfahrbahn, die es wegen nicht vorhandenen Straßenmarkierungen eigentlich gar nicht so gibt. Spannend wirds wenn die zweispurige Autobahn plötzlich vierspurig wird, man den neuen Teil aber nur durch den Graben erreicht. In dem Fall fungierten streckenweise beide Straßenseiten jeweils als eigene Straße mit Gegenverkehr. Alles ziemlich verrückt, aber es funktioniert.
Essenstechnisch gab’s heute sogar drei neue Entdeckungen: 1) Shawarma, eine Art Döner mit halal Wurst und Hühnchen. Ziemlich lecker, aber über Berliner Döner geht trotzdem nichts. 2) Cashew, aber nicht die Nuss, sondern die Frucht. Mit war nie klar, dass Cashew-Nüsse nur das Nebenprodukt auf so einer gut schmeckenden Frucht sind. Nicht zu süß, leicht säuerlich und sehr wässrig, wodurch sie richtig gut erfrischen.
3) Das Interessanteste war aber Bitterkola. Bitterkola wächst wohl nur in Westafrika, aber scheint hier die absolute Universalmedizin zu sein. Angeblich hilft sie bei der Malaria- und HIV-Behandlung, außerdem soll sie potenzfördernd wirken und den Hunger stillen. Letztes schafft sie vielleicht schlicht und ergreifend durch ihren fürchterlich bitteren Geschmack, der auch nicht so schnell weggeht und einem gehörig den Appetit verdirbt.