Tag 10: Der Loewenanteil fehlt

Am Fuße des Berges Aso Rock mitten in militärischem Gebiet befindet sich Abujas Zoo, den wir heute besuchten. So komme ich auch in den Genuss einer kleinen Safari.

An einem Werktag gehen nicht viele in den Zoo, nur eine einzige andere Familie war noch da. So hatten meine Gastgebermutter, ihre Enkeltochter und ich beim besten Willen keine Probleme mit Gedränge an den Gehegen.

Manche Gehege sind jedoch leer oder neu besetzt worden, und zwar aus einem kuriosen Grund: die vorherige First Lady möchte den Zoo so sehr, dass sie gegen Ende der Amtszeit ihres Mannes kurzerhand dafür sorgte, dass die schönsten Tiere in ihren Privatzoo umgesiedelt werden sollten. Und so geschah es auch.

Leider kann man den Privatzoo der First Lady nicht besuchen, und generell hat sie Besuche nicht so gerne. Eine legendäre schockierende Szene spielte sich ab, als betroffene Eltern der von Boko Haram entführten Schulmädchen (‘bring back our girls’) zu einem Besuch eingeladen wurden und vor der Türe der First Lady standen. Ein Teil der Eltern wurde von Sicherheitsleuten vor der Türe verprügelt und verscheucht. Einem anderer Teil der Eltern wurde zwar Eintritt gewährt, doch dort wurden sie von der First Lady mit der Aussage begrüßt, dass kein einziges Mädchen vermisst werde. Sie bezichtigte die Eltern also der Lüge und leugnete das Geschehen. Kurze Zeit später lenkten sie und ihr Mann, Präsident Goodluck Jonathan, ein und erkannten den Vorfall an. Aber erst nachdem eine andere First Lady, Michelle Obama, durch den Hashtag #BringBackOurGirls weltweit für Aufmerksamkeit sorgte für den Vorfall im Nordosten Nigerias. Unter Goodluck Jonathan und seiner Frau hat das Land jedenfalls lange gelitten, und die umgesiedelten Löwen und Giraffen tun es möglicherweise immer noch. Mit dem neuen Präsidenten Buhari, der seit zwei Jahren im Amt ist, ist bereits vieles besser geworden, berichten meine Gasteltern. Buhari brachte und bringt dem Land Hoffnung. Er ist der erste der sich ernsthaft um die Probleme des Landes kümmert, allen Vorrat die massenhafte Armut, die Verbrechen der Terrorgruppe Boko Haram, die bislang florierende Korruption und die oft marode Infrastruktur. In vielen Punkten wurden schon merkliche Fortschritte erzielt, aber gerade bei der Korruptionsbekämpfung werden wohl noch Jahre ins Land ziehen, bis Buharis top down approach sämtliche Levels und Institutionen der Exekutive, Legislative und Judikative erfolgreich durchdrungen hat.

Mal sehen ob das noch zu Lebzeiten der umgesiedelten Giraffen geschieht.