Tag 7: Wenn man sich auf nichts verlassen kann

In den letzten Tagen fällt der Strom ungewöhnlich oft aus, wie meine Gastgeber sagen. Regelmäßig haben wir nur 2 Stunden Strom am Tag und nutzen daher den Generator viele Stunden tagsüber und in jedem Fall nachts. Verkehrte Welt: Eigentlich soll der Generator minutenweise den Netzstrom ergänzen; tatsächlich verhält es sich gerade andersherum. Der Generator gehört hier genauso wie große Trinkwassertanks zur Grundausstattung eines jeden Haushalts der Mittelklasse und darüber, denn wer Zuverlässigkeit schätzt macht sich autark.

Das A und O

Der Morgen beginnt wie der Tag zu Ende gehen soll: heiß. Wegen Stromausfalls mitten in der Nacht hörte auch der Ventilator auf und ließ einen die Wärme deutlich spüren. Nun um 21 Uhr sind es immer noch 33 Grad (und wieder mit Stromausfall, aber dank Generator trotzdem mit Ventilator). Dass der Generator so viel benutzt wird, macht sich deutlich im Benzinverbrauch und in den Lärmemissionen bemerkbar. Dennoch ist der Generator das Mittel der Wahl. Bei Stromausfall hört man in der ganzen Nachbarschaft, wie die Motoren nach und nach angeworfen werden. Man munkelt, dass die Verantwortlichen des Netzausbaus auch gleichzeitig im Generatorgeschäft aktiv seien und daher keinen Anreiz empfinden, etwas an der Lage zu verändern. Wie dem auch sei, für die Menschen ist es lästig, für die Umwelt schädlich und für die Wirtschaft ein gewaltiger Schaden. Einem Fernsehbericht des nigerianischen Fernsehsenders CHANNELS zufolge produzieren 90% aller Betriebe und Läden in Nigeria ihrem Strom zu 60% selbst. Das ganze Land muss dabei 3,5 Milliarden Naira pro Jahr für Generatorbenzin und -diesel aufwenden.

In other news: Heute habe ich zum ersten Mal ‚Yam‘ gegessen; ein der Kartoffel ähnliches Nahrungsmittel, jedoch deutlich größer. Es wächst in merkwürdig aussehenden Maulwurfshügeln, die mit einem Deckel und/oder Stroh gekennzeichnet werden, wenn der Hügel bereits bepflanzt wurde. Yam gehört mit Reis und Mais zu den meistverbreiteten Grundnahrungsmitteln. Es schmeckt an sich gut, aber sehr unauffällig und neutral. Erst durch eine Soße wird es ein Genuss, natürlich gehörig scharf.

yam yam: Hier gibt’s Yam

Nachmittags erfuhr ich bei einem kleinen Rundgang durch den Garten (am Haus in der Stadt, nicht auf der Farm) vom einer lokalen Baumsorte und ihren Einsatzmöglichkeiten. Der Baum mit seinen Blättern, den Zweigen und der Rinde soll allerlei heilende und fördernde Wirkungen haben. Besonders interessant fand ich den Einsatz seiner Rinde als Wasserfilter, wodurch laut einer Studie 99 Prozent aller Bakterien herausgefiltert werden können. Dazu wachsen im Garten noch Bananen, Mango und Kokosnüsse. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, möchte man so einen direkten Zugang und den frischen Geschmack nicht mehr missen. Daher erweitere ich die Liste des ersten Absatzes und füge neben dem Generator und den Wassertanks auch noch Nutzpflanzen zum Autarkie-Starterset hinzu.

Bananen aus eigenem Anbau (Foto aber von der Farm)