Tag 5: Zurueck auf der Farm

Heute ging es wieder auf die Farm nach Koya. Doch wir sollten ungebetenen Besuch bekommen.
Begrüßt wurden wir von einem toten Huhn auf einem Busch. Komischer Ort um zu sterben, dachten wir uns zuerst. Tatsächlich war es aber nicht das Huhn selbst, sondern ein Farmarbeiter, der das Huhn dort herauf brachte – als Nachweis, dass das Huhn im Busch tot gefunden wurde und nicht als Mittagessen diente.

Huhn auf dem Praesentierteller

Eine weitere Szene mit hühnerlicher Beteiligung ergab sich kurze Zeit später, als ein Hahn auf dem Traktoranhänger zu einem Huhn hinaufsah, das oben im Baum saß. Ziemlich romantisch und bilderbuchmäßig, meinte ich, bis ich aufgeklärt wurde: „Man sagt ja es gäbe keine Vergewaltigung im Tierreich, aber bei den Hühnern ists nah dran.“

Der Anschein truegt

Plötzlich entstand Hektik im südwestlichen Teil der Farm, als mindestens zehn Jäger den Zaun durchbrachen und quer über unsere Felder und Wiesen rannten. Die jungen Männer waren mit Stöcken, Spießen und Axten bewaffnet und wurden von ebenso vielen Hunden begleitet. Wie sich später herausstellte waren sie allesamt hinter einem einzigen kleinen Kaninchen her. Dass die Jäger unerlaubt das Farmland betreten und überqueren ist ein großes Problem. Die Männer und Hunde zerstören nicht nur die Erträge von den Feldern und Beeten, sondern stellen auch eine Gefahr für die Farmbewohner dar. Auf der Farm wohnt eine Familie mit Mann, Frau und drei Kindern; dazu gibt es einige Tagelöhner und meine Gastgeber-Familie, die aber nicht ständig vor Ort sind. Nicht auszumalen was alles passieren könnte, wenn die Jäger – frustrierte, aggressive junge Männer – auf die Frau und Kinder treffen würden. Zwar gibt es zwei Hunde auf der Farm, allerdings sind diese zahlenmäßig und kräftemäßig tendenziell unterlegen.

Einer eilig voraus…

 

…andere gemuetlich hinterher

 

Auch deshalb ist der Hundenachwuchs sehr willkommen, der am 1.1.2017 das Licht der Welt erblickte. Fünf Welpen tummeln sich seitdem unter einem Busch, und werden von Affe Cindy regelmäßig liebevoll gepiesakt. Wenn die Welpen herangewachsen sind, werden sie zur Abschreckung und Verteidigung beitragen können. Das ist auch dringend notwendig in so einem abgelegenen Gebiet wie hier. Erst vor einem Jahr hat eine professionelle bewaffnete Bande nachts eine ganze Herde Kühe entführt. Es kam kein Mensch zu Schaden, aber der finanzielle und emotionale Schaden war enorm. Solche Vorfälle gehören aber zur Seltenheit, glücklicherweise sind die Waffengesetzte ähnlich streng wie in Deutschland und auch relativ gut durchgesetzt (abgesehen in den von BokoHaram kontrollierten Gebieten innerhalb der drei Bundestaaten im Nordosten, aber hier in Abuja gab es seit dem Bombenanschlag 2014 keinen größeren Zwischenfall mehr).

Am späten Nachmittag ging es dann wieder zurück in die Stadt. Im Gepäck auch ein Eimer voll Erdnussbutter – selbstgemacht von Erdnüssen der Farm. Sehr lecker und echt ‚crunchy‘! Auf der Rückfahrt landeten auch zwei Hühner im Kofferraum, und später im Kochtopf. Das darf man wohl ein Freilandhuhn von nachvollziehbarer, kontrollierter Herkunft nennen.

Vier zukuenftige halbe Huehnchen
Kiloweise Erdbnussbutter